19
Feb
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…ist die derzeit aktuelle Version des Gentoo Ablegers Sabayon, die aber im Gegensatz zu Gentoo ohne eigenes Kompilieren auskommt und seit gestern Nacht in der 64bit Version ihren Dienst auf meinem Laptop (ASUS A8JP mit Core2Duo und ATI X1700 GraKa) verrichtet.

In diesem Artikel erzähle ich ein wenig was ich so davon halte, falls du Sabayon Linux nicht oder kaum kennst kann ich dir eigentlich empfehlen den Artikel wenigstens kurz zu überfliegen. Solltest du Sabayon schon kennen/benutzen und wissen was equo ist, dann steht hier wohl nichts neues für dich. Ich möchte in dem Fall nur so viel sagen: Ich finde es in Ordnung. Es ist nicht mein geliebtes Gentoo (jaja, ich bin ein kleiner Fanboy, aber ich denke, ich bin noch halbwegs realistisch), aber definitiv mein neuer Ersatz für Ubuntu für meine schnellen Linuxinstallationen.

Bevor ich aber über Sabayon selbst schreibe, möchte ich ersteinmal über die Abstammung berichten. Ich nutze Gentoo schon seit längerem auf Laptop, Desktop und Server. Die Flexibilität dieser als universell angepriesenen Distribution ist gigantisch, aber leider ist dies auch der erste Einrichtungsaufwand, d.h. Auswahl und demaskierung der Pakete, einstellen des Kernels an die neue Hardware und natürlich vor allem dem Kompilieren eines Betriebssystems, dass in meinem Fall binär etwa 6GB groß ist und 14h reine Kompilierzeit gefressen hat.
Dafür wurde ich mit einer wirklich verdammt schnellen Desktopumgebung belohnt – die Ubuntu 8.10 Umgebungen auf den Grafikbearbeitungsrechnern bei uns in der AGSE (Phenom X4, nVidia GTX280 Grafik, 4GB DDR2 RAM) können da nicht mithalten, obwohl ich nur einen kleinen Athlon 4850e mit 2GB DDR2 RAM habe (die HD3870X2 sollte gleich auf sein). Dafür hatte ich das Ubuntu in weniger als einer Stunde oben…

Hier nun die Überleitung zur Sabayon Linux Distribution. Da sie auf Gentoo basiert unterstützt sie das lokale, optimierte Kompilieren von Paketen, stellt aber vor allem weniger optimierte Binärpakete für die amd64 und x86 Architekturen bereit, die auf entsprechenden Buildhosts für die Sabayonuser vorkompiliert und dann über Mirrors verteilt werden.
Man bekommt also die von Gentoo gewohnt aktuellen Pakete schnell und einfach ohne viel Kuddelmuddel ausgeliefert und muss sich nicht mehr um passende USE- und CFLAGS kümmern. Klar, hier verliert man einen der Vorteile von Gentoo, dieses gewisse etwas der vielen Arbeit und diese “edge over the others”, aber wer diese eher marginalen Vorteile lieber gegen ein wenig mehr Komfort alà Ubuntu opfern will, macht einen guten Deal.

Die Installation des  Basissystems hat gefühlt etwa eine Stunde gedauert, war also noch im Rahmen. Der vorangehende Download des DVD Images an meinem Desktop war über die kleine DSL1200-Leitung meiner Eltern allerdings eine eher langwierige Geschichte, denn das kleinste Image ist etwa 1,8GB groß und hat damit über 3h unser Internet blockiert. Und das eigentlich fast umsonst, denn die Pakete auf dieser DVD waren, waren, wie sollte es bei einer Gentoo-Distribution auch anders sein, zur Hälfte etwa schon wieder veraltet, weshalb ich viele Pakete also effektiv 2 mal herunterladen musste. Ein kleines Netinst-Image hätte mir sehr gut gefallen, ich liebe diese Dinger von Debian und Gentoo (und nebenbei geben sie schöne Live CDs ab wenn man einfach nur eine Shell braucht). Aber was solls, in Lautern habe ich schnelleres DSL bzw. die Unianbindung in der AG mit ihren 100MBit.

Etwas, was mir dafür sehr gut gefallen hat: Im Gegensatz zum alten 2008.0-r1 Release von Gentoo beherrscht das neuere Sabayon Image schon die Formatierung der neuen Rootpartition mit ext4. Ich habe bisher zwar noch keine riesigen Performancegewinne bemerkt, aber ich finde es trotzdem cool, dass ich das neue Format ohne viel Aufwand nutzen kann.

Sobald die Basisinstallation abgeschlossen ist geht es normalerweise mit dem Nachinstallieren der benötigten Software und Treiber weiter. Der Treiberpart fällt bei Sabayon ganz weg, denn sowohl die ATI- als auch die nVidia-Treiber werden automatisch installiert und aktiviert, und auch Compiz musste nurnoch aktiviert werden. Ich gebe hier einfach mal eine kleine Liste der mir wichtigen, bereits vorhandenen Pakete:

  • Compiz-Fusion v 0.72 mit Fusion-Icon (per default inaktiv)
  • Pidgin 2.5.4
  • Firefox 3.0.6
  • Flash 10 (aktiv und funktioniert ohne zutun in der 64bit Umgebung)
  • OpenOffice.org 3.0.0-r1
  • Audacity 1.3.7
  • XBMC 8.10-r4 (werde ich aber wohl nicht nutzen)
  • Kernel 2.6.27 (zufällig wie der Vanillakernel bei meinem Gentoo)

Einige Pakete haben mir noch gefehlt:

  • traceroute (fehlt irgendwie immer bei Gentoo)
  • XChat
  • Amarok 1.4 (die neue Version gibts auch, gefällt mir aber nicht)
  • WireShark
  • Der GIMP
  • kismet

Am Anfang habe ich zur Nachinstallation den Spritz Package Manager verwendet, welcher allerdings in der aktuellen Version 0.51 durch eher miese Leistung (d.h. lange Wartezeiten bei Aktionen) und schlechte Handhabung überzeugt (so konnte ich z.B. keine Suchfunktion finden, Bedienung per Tastatur quasi nicht möglich,…). Der Vergleich ist fies, aber das schon seit langem entwickelte Synaptic der debianoiden Distributionen ist hier um Welten besser (ganz zu schweigen von aptitude oder apt-get selbst).
Wenn die Paketverwaltung nur per Spritz möglich wäre, dann würde Sabayon bei mir wohl sehr schnell dran glauben müssen, aber zum Glück habe ich irgendwann das Kommandozeilentool “equo” entdeckt. Die Syntax dieses Shell Interfaces ist eine Mischung aus apt-get und emerge, also für geübte Debian- und Gentoo Shelluser sehr intuitiv, für alle anderen schnell zu Lernen (z.B. “equo install gimp” oder “equo search traceroute”). Die Auflösung der Abhänigkeiten erfolgt in eher mittelmäßiger Gentoomanier, ist aber akzeptabel und immernoch bedeutend schneller als Spritz :-)

Die allgemeine Perfomance des Systems ist, naja… sagen wir mal, ich bin von Gentoo etwas verwöhnt, denn da die Pakete in Sabayon für die gesamte amd64 bzw. x86-64 Platform (d.h. Intel Core2Duo/Quad, Athlon64, Opteron,…) kompiliert sind, fehlt so ein wenig das letzte bisschen Performance (CFLAGS sind wohl meistens “-Os -march=x86-64 -pipe”). Trotzdem, das System läuft an sich mindestens so schnell wie mein altes Ubuntu 8.04.

Alles was mich derzeit stört sind kurze Systemhänger, dann macht wohl anscheinend der Kernel für eine  Sekunde nichts, es kommt kein Ton mehr, Maus bewegen oder per STRG+ALT+Fx TTY wechseln ist auch unmöglich, und natürlich steht in der dmesg nichts. Ich werde es also mal mit einem eigenen Kernel probieren, vielleicht hilft das. Oder ich sollte einfach mal die Kühlung saubermachen, der Lüfter dreht bei/nach einem solchen Hänger immer unglaublich hoch…

Aber mal abgesehen davon: Ich kann Sabayon jedem halbwegs erfahrenem Linuxnutzer, der relativ unkompliziert ein schnelles, komfortables und hübsches (wenn man auf dunkle Defaultthemes steht^^) Linux haben will nur empfehlen. Man sollte nur dazu bereits sein, Pakete in der Shell per equo zu installieren oder im schlimmsten Fall ein Configfile an die persönlichen Wünsche anzupassen (bei mir war es die xorg.conf für mein Touchpad), was aber schwieriger klingt als es ist. Kleiner Tipp: Da die Pakete 1:1 von Gentoo übernommen werden (samt Kategorien), kann man auf gentoo-portage.com sehr einfach Paketnamen finden und muss dann nur noch Copy&Pasten. Ausserdem sind Lösungen zu vielen gängigen Konfigurationsproblemen doppelt und dreifach im Internet dokumentiert (meistens im Gentoo oder Ubuntu Wiki), man muss nur Google verwenden.

Wenn du also bereits bist, dich etwas mehr mit Linux zu beschäftigen, aber trotzdem ein System willst, dass so an sich “einfach” funktioniert, dann ist Sabayon einen Versuch wert. Und solltest du sowieso gerade mit dem Gedanken spielen auf Gentoo umsteigen zu wollen: Gentoo bringt wirklich nicht so viel mehr, ausser, dass Gentoo eben Gentoo ist und man sein System am Ende zu fast 100% kennt, und halt die etwas bessere Performance, die aber auch nicht zuletzt davon abhängt, wieviel man sich ins Panel knallt, und das ist bei Gentoo eben normalerweise eher minimalistisch. Ich werde mir ab sofort auch 2 mal überlegen, ob ich jetzt Gentoo oder Sabayon verwende.

Abschließend darf das obligatorische Desktop Cube Bild natürlich nicht fehlen, deswegen hier noch schnell zwei Screenshots meiner Installation mit dem Defaulthintergrund:

Danke an dschung, ohne dich hätte ich nichts von Sabayon gewusst und wohl irgendwas anderes ausprobiert, aber wenn ich mein mobiles System jetzt so sehe bin ich froh, dass du das mal im IRC erwähnt hast :-)

Vielleicht steigt ja noch jemand auf Sabayon um (oder auf Linux allgemein),
Archi

One Response to “Sabayon Linux 4.0…”

  1. Archimedes Says:

    Das Kernelupdate auf 2.6.29 löst anscheinend das seltsame Kernellag Problem, sowie die Verbindungsabbrüche zu WPA2 (wobei ich das mit Eduroam an der Uni nochmal richtig testen muss).

    Wichtig: Bei ext4 die extents-Option im /etc/fstab deaktivieren, sonst mountet der Kernel das root-Filesystem als read-only, was etwas suboptimal ist.

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